Woche 5

Die fünfte Woche in Quantico

Abendhimmel über der FBI Academy vor dem 50. Superbowl.

08.02.2016

Woche fünf ist angebrochen und es ist wieder Schneefall angekündigt. Noch läuft der Betrieb auf der Base normal, ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Der Einstieg in den Vormittag gelingt mit Leading At-Risk - Employees nach dem Wochenende sehr gut, Mike VanMeter's Thema heute: "Substance-Free Addictions", also nicht stoffgebundene Suchterscheinungen wie Glücksspielsucht, Internetsucht u. Ä. Die Zeit von 09:30 bis 11:30 Uhr beansprucht E. J. O'Malley in gewohnter Weise. Nach einer Theorieeinheit zum Nutrient Timing - vereinfacht gesagt geht es um die Frage, zu welcher Tageszeit der Körper zur Erreichung einer optimalen Leistung mit welchen Nährstoffen versorgt werden sollte, E. J. bezieht sich hauptsächtlich auf Dr. John L. Ivy, University of Texas (https://www.neogenis.com/about-neogenis/leadership/dr-john-ivy) - absolvieren wir heute auf dem freien Feld vor dem Field House einen so genannten "Ten to Ten - Contest". Zehn Übungen (Push-Ups, Knifes, ...) werden nacheinander absolviert, wobei nach der jeweils letzten Übung wieder komplett von vorne angefangen wird (Schema 1, 1/2, 1/2/3, 1/2/3/4, ff.). Die Belastung wird 20 Sekunden aufrecht erhalten, vor dem Wechsel zur nächsten Übung stehen zehn Sekunden Pause zur Regeneration zur Verfügung. Es braucht nicht viel mathematischen Sachverstand um auszurechnen, wie lange der gesamte Turn dauert - nach etwa 30 Minuten ist der letzte Durchgang beendet.

Forensics-Thema am Nachmittag: Weapons of Mass Destruction, auch dafür steht beim FBI eine eigene Einheit bereit. Den Abschluss macht Ph.D. Larned mit der amerikanischen Sicht auf die Thematik "Burnout".

In Zusammenhang mit E. J.'s Ausführungen fällt mir auf: So langsam verabschiede ich mich gedanklich von den europäischen Maßen und Gewichten. Fahrenheit, Pounds, Liquid Ounces, Gallons und Miles drängen sich mehr und mehr in mein Denken, wenn ich mich zu Temperaturen, Entfernungen oder Volumina äußern soll.

Highlight des morgigen Tages: Das Dinner der "International Association of Chiefs of Police" (www.iacp.org), das um 17:00 Uhr beginnt.

09.02.2016         

Die Nachricht des Zugunglückes in Bad Aibling mit vielen Toten und Verletzten erreicht mich durch die Zeitverschiebung kurz nach dem Aufstehen. Im Laufe des Vormittags kommen zahlreiche amerikanische Kolleginnen und Kollegen bis hin zum Acting Unit Chief auf mich zu, um ihrer Bestürzung und ihrem Bedauern zu diesem schrecklichen Geschehen Ausdruck zu verleihen. Ich merke: Man bekommt hier wesentlich mehr mit, als man sich in Deutschland möglicherweise so vorstellt.

Durch die Tatsache, dass nahezu jeder Bundesstaat an der NA vertreten ist und diese bereits erhebliche Vielfalt durch die Anwesenheit der Internationals noch potenziert wird, komme ich beinahe täglich mit kleinen und auch großen Tragödien aus dem Bereich Law Enforcement in Berührung. Heute Nacht, so berichtet mir Barry Bratt / Colorado State Patrol, starb ein US-amerikanischer Kollege nach einem Schusswechsel in Colorado, der Schütze konnte festgenommen werden. Die geschockten Freunde und Mitarbeiter organisieren sofort eine Solidaritätssammlung. Vor zwei Wochen reiste Bryan DeWick / Northern Regional Police Department Wexford Pennsylvania nach Hause, um der Beerdigung eines Polizeihundes beizuwohnen, der zuvor von einem mit einem Messer bewaffneten Straftäter erstochen worden war.

Ich kann den Wunsch, auch einem Polizeihund die letzte Ehre in diesem Rahmen zu erweisen, gut nachvollziehen.

Am Vormittag deckt uns Vince Dalfonzo im Crisis Negotiations Course ganz erheblich mit Arbeit ein, ab sofort ist wöchentlich bis zum Ende des NA-Programms jeweils ein Negotiation Position Paper vorzulegen, das jeweils gegraded wird und in die Abschlussnote des Course prozentual einfließt. Grundlage hierfür sind Videoaufzeichnungen zu Echtlagen, die entsprechend dem Fokus der Aufgabenstellung zu bewerten sind.

US-amerikanischer Polizeifunk – aufgezeichnet auf ein Videoband und abgefilmt mit einem Mobiltelefon – ist, man möge es mir glauben, sprachlich eine echte Herausforderung!

Auch Beth Coleman ruft ihr Final Reflective Paper in Erinnerung, das um einen so genannten "Individual Development Plan" zu ergänzen und ihr so rechtzeitig vorzulegen ist, dass es im Hinblick auf die Graduation noch bewertet werden kann. Unabhängig davon, dass das kommende Wochenende bislang keine offiziellen Termine enthält, weiß ich doch, was ich heute Abend noch so zu tun habe.

In der Zwischenzeit fängt es wieder an zu schneien und ich ertappe Dr. Suhas Warke – seines Zeichens ebenfalls einer der Internationals und im Range eines Deputy Inspector General Angehöriger des Indian Police Service – dabei, wie er ein Selfie für die Heimat fertigt, da man auch dort mal Schnee sehen möchte. Am Abend ist alles weggetaut und der Betrieb auf der Base läuft normal weiter.

Die Courses des heutigen Tages enden nach Mike VanMeter und E. J. O’Malley um 16:45 Uhr, für 17:00 Uhr ist der Beginn des IACP-Dinners terminiert.

Chief Terrence M. Cunningham, amtierender Präsident der IACP (http://www.iacp.org/Portals/0/documents/pdfs/Board/2015-2016/Cunningham%20Bio%202015-2016.pdf), präsentiert in seiner Ansprache eine Tonkonserve mit Originalauszügen aus der sehr wortgewaltigen und eindrücklichen Rede, die John F. Kennedy 1962 im Rahmen der Graduation an der NA gehalten hat.

Nachfolgend ist die Ansprache im Original zu hören, ich habe sie in den JFK-Archiven tatsächlich aufgestöbert.

John F. Kennedy: Remarks at the Graduation Exercises of the FBI National Academy, 31. October 1962.

Lion's Leap

Über- oder unterdurchschnittlich?

10.02.2016

Halbzeit bei den Challenges – heute in vier Wochen ist das große Finale, die legendäre Yellow Brick Road. Bis dahin warten noch drei weitere Herausforderungen, die bewältigt werden wollen. Bei der heutigen handelt es sich um den so genannten Lion's Leap, einen 3,2 Meilen langen Track, der aus den Sportanlagen und um den ebenfalls auf dem Academy-Gelände gelegenen Fahrsicherheitstrainingskurs des FBI führt. John Vanvorst's Meinung in seiner die Challenge ankündigenden E-Mail: "Simple, just not easy".

E. J. O'Malley erkundigt sich nach den Pace-Interessen für eine Meile - er läuft natürlich mit - und es findet sich eine Gruppe zusammen, die etwas um die sieben Minuten als Ziel ausgibt. Ich kann den Anschluss an diese Gruppe halten und komme nach den rund 5,15 Kilometern und 22:45 Min. als sechster wieder im Stadion an. Abermals bleibt die gesamte Session zusammen, bis auch der letzte die Ziellinie überquert hat.

Im Ziel findet eine Schweigeminute für die in den vergangen fünf Wochen in den USA getöteten Polizeibeamten statt. Ich bin froh, dass ich mich in Deutschland nicht in dem Maße daran gewöhnen muss, wie dies den Kolleginnen und Kollegen hier abverlangt wird.

Der Nachmittag nimmt mit einem beeindruckenden Enrichment seinen Lauf: Ph.D. Bobby Smith, ein ehemaliger Louisiana State Trooper, berichtet zu seinen "Visions of Courage" (http://www.visionsofcourage.com). Jede der Geschichten aus seinem Leben, die er vor der Session ausbreitet, reicht für sich genommen aus, um (Kinder)Seelen oder ganze Leben zu zerstören - Ihn, haben sie stärker gemacht. Nur beispielhaft: Als er zehn Jahre alt ist, stirbt seine Mutter; 1986 schießt ihm ein Drogehändler in das Gesicht, wobei er vollständig erblindet; 1987 stirbt seine zehnjährige Tochter bei einem Verkehrsunfall; 2010 liegt sein damals 22-jähriger Sohn am Morgen tot in seinem Bett.
All dies hindert ihn nicht daran, bereits blind an der Pacific Westen University / Los Angeles in Psychologie zu promovieren, bis heute vor über einer Million Menschen zu sprechen, drei Bestseller zu schreiben und zwei US-Präsidenten zu treffen.

Sein Auftritt wird mit Standing Ovations bedacht und ich habe Gelegenheit, mich mehrere Minuten mit ihm zu unterhalten. Eine sehr beeindruckende Persönlichkeit!

Am Abend findet die Wahl des Session Speakers statt, der an der Graduation neben FBI Director James Comey sprechen wird. Das ganze läuft vollkommen basisdemokratisch ab, die ganze Session ist beteiligt. Nachdem jeder der fünf Section-Reps vor der gesamten Session gesprochen hat, steht nach einer Stichwahl fest: Captain Larry Dyess Jr. / Jefferson Parish Sheriff's Office Louisiana wird die Session 263 am 18.03.2016 als Offizieller des Jahrgangs mit Worten des Abschieds zurück in den Polizeialltag in 27 Ländern rund um den Globus schicken.

Standing Ovations für Ph.D. Bobby Smith

Woche 5 geht zu Ende

11.02.2016

Am kommenden Montag ist Presidents‘ day und somit vorlesungsfrei, parallel dazu ist morgen bereits um 11:30 Uhr Schluss in Quantico. Nahezu alle Domestic Students, die es irgendwie einrichten können, werden das Wochenende zu Hause verbringen (teilweise – beispielsweise nach Hawaii – dauert ein Flug innerhalb der USA länger als ein solcher nach Europa) und es ist überall eine geschäftige Vorfreude zu spüren.

Mir bleibt dies auf Grund einer zu erwartenden Reisezeit von mindestens 16 Stunden "one way" leider verwehrt, so werde ich das verlängerte Wochenende mit Paperwork, Sport und einigen Ausflügen verbringen – wenn ich denn hier noch jemanden mit einem Auto finde. Zumindest für Montag ist dies gesichert, ich werde mit einem der Counselor nach Mount Vernon fahren, um dort (passend zum Feiertag) das Wohnhaus und die korrespondierenden Museen des ersten US-Präsidenten George Washington zu besichtigen (http://www.mountvernon.org/george-washington/biography).

Fachliches Highlight des heutigen Tages ist Vince Dalfonzo’s Case Study zur Kaperung der MAERSK ALABAMA, die im April 2009 durch somalische Piraten im Indischen Ozean angegriffen worden war. Das FBI war in die Verhandlungen von Anfang an federführend eingebunden, die Befreiung des bis zuletzt gefangen gehaltenen Kapitäns gelang schließlich durch den Einsatz eines Teams der US Navy SEALS (https://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Navy_SEALs), wobei mehrere Piraten getötet wurden. Der Vorfall wurde verschiedentlich medial aufbereitet, u. a. in einer Verfilmung mit Tom Hanks in der Hauptrolle ("Captain Phillips" – https://de.wikipedia.org/wiki/Captain_Phillips).

Um 18:00 Uhr verlasse ich Academy und Base mit einer Gruppe amerikanischer Kollegen, um ein Dinner im nahegelegenen Irish Pub „Paddys“ einzunehmen.

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......so zumindest war der Plan, als ich diese Zeilen vorher schrieb. Inzwischen ist es 23:30 Uhr und ich bin wieder an der FBI Academy. Nachdem alle Versuche an etwas Essbares sowie ein Bier zu gelangen seitens des Service bei Paddy's abgewehrt werden, verlagert sich das Geschehen in das in unittelbarer Nachbarschaft gelegene "Wings to Go" (http://wingstogo.com/location/Stafford). Eine sehr gute Alternative, nach allerlei Vorspeisen gibt es Wings mit -zig verschiedenen Dips sowie Blue Moon Belgian White vom Fass (http://www.bluemoonbrewingcompany.com/OurBeers/Product/belgian-white-belgian-style-wheat-ale). 

Kulinarisch wie auch interkulturell ein mehr als gelungener Abend, der im Boardroom ausklingt!

12.02.2016

Die letzten beiden Classes vor dem verlängerten Wochenende bestehen aus einer so genannten "Online Class" über die UVA - Plattform sowie einer Gruppenarbeit zur Vorbereitung einer Präsentation in Stress Management. Daneben schreibe ich eine knapp sechsseitige Abhandlung über das Stanford Prison Experiment (https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford-Prison-Experiment) und dessen Bedeutung im Kontext von "Emotional Intelligence and Modern Policing". Inhaltlich nicht ganz ohne, aber ich habe heute eine der wertvollsten Ressourcen an der NA: Zeit für mich selber! Am späten Nachmittag liegt das Papier fertig auf meinem Schreibtisch und ich genieße die Ruhe sowie das Gefühl, das erste Mal seit fünf Wochen alleine für mich zu sein.

Mein Roommate verlässt das Gelände um 12:00 Uhr mit zwei Paketen von mir unter dem Arm, die er für mich nach Stafford zur Post bringt, danach fliegt er nach Hause nach Houston. Ich werde ihn erst am späten Montag Abend wiedersehen.

Ich lasse in Gedanken den gestrigen Abend passieren. Interessant war insbesondere ein Austausch zu Fragen der Ausrüstung und den diesbezüglichen Zeitläufen im amerikanisch-deutschen Vergleich. Durch die Kleingliedrigkeit des amerikanischen Polizeiwesens kann im Grunde alles, was sich ohne eine Gesetzesänderung umsetzen lässt, vom jeweils örtlichen Polizeichef entschieden werden. Dies erstreckt sich von der Frage der Gestaltung der Uniform über die Zulässigkeit des Tragens von Cowboyhüten während der Streifentätigkeit in Texas bis hin zur Einführung einer neuen Waffe - sei sie tödlich oder nicht tödlich. Der Taser beispielsweise - https://de.wikipedia.org/wiki/Elektroschockpistole - gehört in vielen Countys und Städten in den USA als alternative, nicht tödliche Mitteldistanzwaffe zur Standardausrüstung eines jeden Patrol Officers und die Kollegen berichten von beeindruckenden Erfolgen beim Zugriff auf aggressive und / oder durch Rauschmittel beeinflusste Personen.

Für den Freitag Nachmittag um 13:00 Uhr ruft die Alumni-Vereinigung der NA-Absolventen zu einer Schweigeminute für die in dieser Woche in den USA im Dienst getöteten Polizeibeamten auf. "Chip" Wale erläutert mir dazu, dass seit Montag insgesamt sechs Polizeibeamte auf der Straße ihr Leben lassen mussten, was einen traurigen Höchstand darstelle. "Gewöhnt" sei man hier an allerhöchstens ein bis zwei entsprechende Nachrichten pro Woche landesweit. Er sollte mit seiner Prognose nicht Recht behalten...


Am späten Nachmittag informiert Jeff McCormick den Jahrgang in einer E-Mail zur Halbzeit des Lehrgangs, dass sich deren Anzahl heute auf nunmehr acht erhöht hat. Ich bin sprachlos und fühle mit den Angehörigen.

13.02.2016

Nachdem ein Teil der NA-Studenten heute eine Führung hinter den Kulissen des Capitols bekommt (ich muss mich diesbezüglich noch bis Anfang März gedulden), ist die Academy wie leer gefegt, fast ganz alleine sitze ich beim Frühstück, das ich mit Risto Lohi einnehme, einem europäischen International aus Finnland. Er lebt mit seiner Familie in Helsinki und wir tauschen uns zu Immobilienpreisen in Skandinavien aus. Diese sind (zumindest in Finnland) viel weniger tragisch, als ich zunächst dachte, und ein fleißiger schwäbischer Bausparer könnte dort preislich durchaus zuschlagen, ohne die Familie über Generationen ins finanzielle Unglück zu stürzen. Will man in den Kernbereich der Metropolen, allen voran natürlich Helsinki, bedarf es allerdings je nach Berufswahl zwei bis mehrerer Gehälter, um sich neben der Unterkunft auch noch etwas Essbares leisten zu können. Risto verbringt den Sommer im Kontrast hierzu regelmäßig auf einer einsamen Insel im Süden Finnlands, wo er ein Ferienhaus ohne Strom besitzt, das fernab jedes Handynetzes gelegen ist. Was müssen das für paradiesische Zustände sein!

Den Vormittag verbringe ich mit einer weiteren Erkundung des Geländes, um gezielt Fotos von Arealen anzufertigen, die ich bis dato noch nicht betreten habe. Brian Stapleton / Hamilton County Sheriff's Office Cincinnati Ohio fährt nach dem Mittagessen zu dem auf der Base befindlichen PX, der so ziemlich alles hat, was der Marine (bzw. dessen Familie) so benötigt und bietet mir einen Transport an. Ich bin indes noch mit allem versorgt und so setze ich mich stattdessen an meinen Schreibtisch, um eigentlich nur ein paar Kapitel zu lesen. Da ich gut vorwärts komme, fange ich parallel dazu an, das Abschlusspapier für den Emotional Intelligence Course zu schreiben. Und siehe da: Lediglich unterbrochen von einem Besuch in der Bibliothek und dem Abendessen liegen um 20:00 Uhr acht Seiten zu den Möglichkeiten der Implementierung von Emotional Intelligence in den (Polizei)Alltag vor mir und eine weitere Prüfungslast fällt ab. Dies kommt mir äußerst gelegen, da ich mich am kommenden Wochenende von Freitag bis Sonntag in New York befinde, um dort einen Blick hinter die Kulissen des New York Police Department zu werfen.

Papier über Papier, aber das Ende ist in Sicht!

Ab 20:30 Uhr stehe ich für knapp sieben Meilen auf dem Laufband. Zum ersten Mal habe ich die gesamten Sportanlagen für mich alleine.

14.02.2016

Als ich am gestrigen Abend mein Pensum auf dem Laufband absolviere, unterbricht FOX sein reguläres Programm: Antonin Scalia, seit 1986 beigeordneter und damit dienstältester Richter (Associate Justice) am Supreme Court der USA, war in der Nacht zum gestrigen 13.02.2016 tot in einer Hotelanlage in Texas aufgefunden worden. Scalia galt als einer von fünf konservativen Vertretern in dem insgesamt neunköpfigen Gremium, weshalb die Nachbesetzung des Amtes zu einer Kräfteverschiebung im Obersten Gerichtshof der USA führen könnte. "Scalias plötzlicher Tod hinterlässt eine Wolke der Ungewissheit über der aktuellen Amtsperiode des Supreme Courts, die mit einigen kontroversen Themen gefüllt ist", war heute in der Washington Post zu lesen. Schwangerschaftsabbruch, Quotenregeln zu Gunsten von Minderheiten, Einwanderungsbestimmungen und die US-Klimapolitik sind nur einige der Reizthemen, mit denen sich die Richter momentan befassen. Hier an der NA stellen sich alle die Frage, ob US-Präsident Obama noch in seiner Amtszeit von seinem Nominierungsrecht Gebrauch macht und dem Senat einen Nachfolger zur Billigung vorschlägt. Würde dieser als zu liberal angesehen, könnte es zu einer Blockadehaltung im republikanisch dominierten Senat kommen, um die bislang durch das Kräfteverhältnis in der Richterriege vom Konservatismus getragene "de facto - Gesetzgebungskompetenz" des Supreme Courts aus politischer Sicht auch künftig berechenbar zu halten.

Als Zeichen der Trauer und zu Ehren des Verstorbenen
wehen die Fahnen an den Regierungsgebäuden in den
USA heute auf Halbmast. Hier zu sehen ist das
09-11 - Memorial an der FBI Academy.

Auch als Kontinentaleuropäer werde ich heute in allen möglichen Diskussionen hierzu rege nach meiner Meinung gefragt und beteiligt. "Wieso sollte mich das bitte betreffen??" könnte man sich nun (nur scheinbar zu Recht) fragen. Die Antwort liegt auf der Hand: Klar ist, dass US-amerikanisches Engagement (oder Nicht-Engagement) - ob militärisch, zivil, geopolitisch oder in welchem Kontext auch immer - auf der ganzen Welt mittelbare oder unmittelbare Auswirkungen hat oder haben kann - bis hin (man verzeihe mir die Trivialität des gewählten Beispieles) zum Demonstrationsgeschehen und den damit möglicherweise verbundenen Verkehrsbeeinträchtigungen in Stuttgart. Auch aus der Mikrosicht lohnen sich also Beobachtung und Analyse der Geschehnisse am Supreme Court, der dieses Engagement (oder Nicht-Engagement) wesentlich mitbestimmt, in den nächsten Wochen und Monaten!

Um 12:30 Uhr verlasse ich die Base zusammen mit Commander Chris Guerrero / Washington (State), Lieutenant Jake Wagner / Montana und Lieutenant Rob Turner / Idao, um in das Potomac Mills - Einkaufszentrum zu fahren (https://en.wikipedia.org/wiki/Potomac_Mills). Kennt man das Europaviertel in Stuttgart, überrascht der Anblick einer Mall mit 225 Geschäften nicht sonderlich, obgleich es damit rund 10 % mehr sind als im in der Schwabenmetropole gelegenen Milaneo. Die Besonderheit besteht darin, dass sich alle Shops im Gegensatz zu dem, was man aus Deutschland gewöhnlicherweise kennt, auf einer Ebene befinden. Die dort gebotenen Outlet - Preise und der aktuell günstige Dollarkurs sind aus Sicht eines schwäbischen Einkäufers äußerst interessant.

Um 18:00 Uhr sitze ich im so genannten "Forum", einem vollwertigen Kinosaal, der ebenfalls zur FBI Academy gehört. Einer der Verbliebenen hat einen amerikanischen Kinoabend organisiert und die Woche klingt ruhig aus.

Fazit:

Viel Sitzfleisch bringt mich in Woche 5 in Bezug auf die zahlreichen schriftlichen Arbeiten, die ich vorzulegen habe, nochmals deutlich weiter und es ist Halbzeit. Die Anzahl der Tage, die ich noch an der FBI Academy verbringen werde, ist geringer als die Anzahl der Tage, die ich bereits hier bin - das Ziel rückt näher! Zu erwartende Highlights der kommenden Woche: Ein Vortrag von Director Andrew Traver, Naval Criminal Investigative Service (http://www.ncis.navy.mil/Pages/publicdefault.aspx) zur Thematik "Leadership and Lessons learned" sowie der New York Field Trip am kommenden Wochenende.